Verifizierbare Erfahrung der praktischen Kabbala

 In Kabbala Vorträge

VORTRAG (Kabbala Wien): Tikkun – Korrektur der Seele, Hermetik und Kabbala, Mystischer Weg und Einweihung, die Herausforderungen der Kabbala, spirituelle Entwicklung des Menschen.

Die Erfahrung ist das Ausschlaggebende. Sie ist es, was die authentische Mysterientradition wirklich ausmacht. Diese reicht Tausende Jahre zurück, bis hin zum Ursprung der Menschheit und noch weiter. In jeder Generation gab es Menschen, die diese Lehre verifiziert haben. Viele äußere Religionen hingegen sind mit der Zeit dazu übergegangen, zu einer reinen Theorie zu verkommen, in der nur noch über die Erfahrung geredet wird, anstatt sie selbst zu machen. Man entfernte sich mehr und mehr von der praktischen Anwendung. Von den praktischen Methoden wurde immer weniger bewahrt. Schließlich kam es dazu, dass man am Ende gar nicht mehr verstand, worin überhaupt die Wurzel bestand.

Genau das ist der Unterschied zwischen der Mysterientradition und den Religionen. In dieser wurde wirklich von Generation zu Generation in einer unversehrten Kette von Eingeweihten die praktische Erfahrung gelebt und weitergegeben. Menschen in dieser Mysterientradition sind bis zum heutigen Tag solche wahren Eingeweihten. Sie haben die Erfahrung, die mit den verschiedenen Einweihungsstufen zusammenhängt und die mit dem Wissen korreliert, das in den Heiligen Schriften zu finden ist. Diese Eingeweihten erleben diese Erfahrung lebendig in ihrem Bewusstsein, was in Form von Ritualen geschieht. Diese finden auf physische Weise in der materiellen Welt statt: in Tempeln und in Logen, in denen diese rituelle Erfahrung der verschiedenen Stufen gemacht wird. Jeder, der den Weg der Mysterientradition schreitet, kann immer wieder einen weiteren Schritt machen und tiefer in diese geheime hermetisch-kabbalistische Lehre eingeweiht werden.

Rituale sind Symbole in Bewegung. Das, was wir als Symbol in 2-D sehen, können wir auch als Steigerung in Form einer rituellen Handlung wirklich erleben. Das Erlebnis findet auf der Handlungsebene statt, was eine viel stärkere Wirkung hat als bloße Ideen, die vermittelt werden. Ideen lassen sich z.B. als Text formulieren, doch wir können noch so viele Bücher über einen bestimmten Bewusstseinszustand schreiben oder Symbole dafür zur Verfügung stellen, die den entsprechenden Zustand ausdrücken – der nächste und wichtigste Schritt ist immer die Ritualistik, das Erleben der tatsächlichen Handlung. Diese Handlung vermittelt auf einer unmittelbaren Ebene, was das Symbol in sich enthält. Dies ist sodann die direkte Erfahrung. Alles andere ist streng genommen nur Zeitverschwendung. Warum sollte der Mensch sein ganzes Leben lang Spiritualität nur studieren? Wie kann es ihm ausreichen, nur ein paar seichte Werkzeuge zu haben? Es gibt sicherlich ganz andere Ziele in der Welt, für die er seine Zeit viel sinnvoller einsetzen könnte, anstatt dieses bescheiden gesteckte Ziel der Spiritualität zu verfolgen. So gesehen wäre es viel lohnender, ein guter Künstler oder Architekt zu werden und in der Welt etwas voranzubringen. Sein Leben aber nur mit dem theoretischen Studium der Spiritualität zu verbringen, wäre aus dieser Sicht Verschwendung. Vielmehr sollte der Mensch ein klares Ziel haben, das auf nichts Geringeres als die praktische Erfahrung ausgerichtet sein muss, denn diese ist die eigentliche Essenz.

Derjenige, der einen spirituellen Weg schreiten will, muss zunächst anhand einiger Instruktionen ein Fundament setzen, das natürlich auch auf der intellektuellen Ebene angesiedelt ist. Hinzu kommt, dass er seine Lebensumstände ordnen muss, um somit eine stabile Grundlage zu erbauen, ein Leben, das ihn dazu bereit macht, den initiatorischen Weg schreiten zu können. Denn wenn noch zu viele Probleme in grundlegenden Lebensbereichen vorhanden sind, z.B. in der finanziellen Stabilität, in der Gesundheit oder anderen Bereichen, dann gilt es, zunächst diese Bereiche auf Vordermann zu bringen. Dadurch entsteht, wie schon erwähnt, ein stabiles Fundament, sodass wir auf dem initiatorischen Weg wirklich mit größeren Herausforderungen konfrontiert werden können. Letztendlich ist eines klar: Der Pfad der Rückkehr ist keine seichte Reise, kein Urlaubsausflug, bei dem der Aspirant ganz gemütlich durch den Baum des Lebens schreitet und zur Quelle zurückkommt. Im Gegenteil ist es die härteste Reise, die ein Mensch überhaupt machen kann. Daher ist sie auch am Ende vom größtmöglichen Erfolg und menschlichen Verwirklichungspotenzial gekrönt. Diese Reise ist die Bestimmung des Menschen, die darin besteht, dass er wieder zurückkehrt, denn sonst hätte der Schöpfer seinem Geschöpf nicht die Lehre der Kabbala geben müssen. Der Mensch wäre andernfalls einfach gefallen und in Ewigkeit in diesem Fall verblieben, und es bedürfe keines Pfades der Rückkehr, der beschritten werden müsste.

Jedoch wurde dem Menschen die Gnade zuteil, diese Lehre zu empfangen, sodass er auch seinen Seinsauftrag erfüllen und aus diesem jetzigen Zustand umkehren kann auf den Pfad der Rückkehr. Dadurch gelangt er zurück zum dem Seinszustand, aus dem er ursprünglich gefallen ist. Vor diesem Hintergrund ist zu sehen, dass der wichtigste Punkt in der Kabbala der Begriff „Tikkun“ ist. Er bedeutet „Korrektur“ oder „Wiederherstellung“. Im Hinblick auf das bereits Gesagte ist einleuchtend, worauf mit diesem Wort hingewiesen werden soll: Das Ziel des gefallenen Menschen ist, über den Pfad der Rückkehr zurück zum ursprünglichen Sein zu finden. Dafür bedarf es einer Korrektur, die eine Wiederherstellung dessen ist, was er war. Die Wichtigkeit dieses Begriffes in der Kabbala ergibt sich daraus, dass das ganze Leben eine Korrektur ist – somit ist ersichtlich, worum es in unserem Dasein und in der Spiritualität geht. Natürlich kann es nicht darum gehen, nur ein paar schöne Erkenntnisse zu gewinnen, sondern vielmehr darum, etwas zu korrigieren. Diese Korrektur impliziert, dass etwas nicht in dem Zustand ist, in dem es sein sollte. Wenn wir einen Text schreiben und uns Rechtschreibfehler unterlaufen, dann werden diese Fehler korrigiert, denn Wörter und Buchstaben sind nicht so, wie sie sein sollten, wie die ursprüngliche Schablone dies vorgesehen hat. So ist der Mensch also in einem Zustand, der nicht mehr seinem ursprünglichen Sein entspricht, daher muss er wieder zurück zu diesem gelangen.