Mysterium des Lebens – Einheit und Potenzial des Menschen

 In Kabbala Vorträge

VORTRAG (Kabbala Wien): Mysterium des Lebens, Überwindung der Trennung, Freiheit durch Kabbala, Universelle Bruderschaft der Menschheit, Potenzial des Menschen, Meisterschaft des Lebens.

Und in der Tat – wieviel Freiheit haben wir, wenn wir noch an die Illusion der Trennung gebunden sind? Wenn wir immer noch verspüren, dass zwischen uns und den anderen Menschen eine Separation vorhanden ist? Zwischen uns und dem Schöpfer? Wenn der Mensch tagtäglich die Erfahrung der Trennung macht und er am Ende immer noch das Gefühl hat, dass er selbst den anderen gegenübersteht, stellt sich die Frage, wie frei er wirklich sein kann, durch diese Verwurzelung im Egoismus?

Diese Feindschaft zeigt sich auch darin, dass ein Land dem anderen gegenübersteht, eine ethnische Gruppe gegen die andere kämpft und eine Religion sich anderen Religionen gegenübersieht. In diesem Fall ist der Mensch gar nicht frei. Freiheit bedeutet, das Gefühl der Einheit zu integrieren. Es meint, über dieser Trennung zu stehen und die Gnade zu haben, überall die Einheit zu sehen. Dadurch wird erkannt, dass alle Menschen Teil der Menschheit sind, unabhängig von der Hautfarbe, dem sozialen Hintergrund oder sonstigen Aspekten. Wir alle sind Menschen und gehören zur menschlichen Familie, so wie alle Zellen und Organes eines Körpers Teil eines größeren Ganzen sind, dem sie alle unterschiedslos angehören. Jedes Land der Welt nimmt seinen ihm eigenen Platz ein, damit das größere Ganze funktionieren kann. Ein einzelnes Organ für sich allein wäre ein nutzloses Ding. Nur indem alle Bestandteile einwandfrei funktionieren und aufeinander abgestimmt sind, erschließt sich das volle Potential der Menschheit. Wenn alle zusammenarbeiten, alle Länder und Nationen, dann kann etwas Größeres entstehen.

Dies ist auch in der Religion zu erkennen: Alle Religionen wurden im Hinblick auf ihren Ursprung aus der Mysterientradition heraus gestiftet, was mittels einer authentischen Lehre geschah. Sie haben sich jedoch immer weiter davon entfernt. Sie wandelten sich von einer praktischen, angewandten Lehre der Initiation hin zu einem reinen Schriftstudium oder uferten zu Fanatismus aus. Dennoch gilt es, hier über die Trennung hinwegzusehen und die Einheit zu sehen, die im Grunde die Wurzel aller spirituellen religiösen Wege ist. Hinter jedem Weg steckt die Sehnsucht des Menschen, sich dem Höheren zuzuwenden und das Größere im Leben zu erkennen – das Verlangen zu verstehen, was die Position des Menschen im Verhältnis zu diesem Größeren ist. Diese innere Sehnsucht ist das, was die Essenz aller spirituellen religiösen Wege ausmacht. Wenn der Mensch danach strebt, hinter die Fassade jeder äußeren Organisation dieser Art zu blicken, so eröffnet sich ihm die einende Vision: die Sicht auf eine universelle Religion oder einen universellen spirituellen Weg.

Alle Menschen tragen als Saat den Wunsch in sich, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen: Was ist der Sinn der Menschheit? Woher kommen wir? Wohin entwickeln wir uns? Und was ist mit diesem Größeren, Inneren, dem Universum? Was hat es mit dem Mysterium des Lebens, in das wir hinausgetreten sind, auf sich? Was ist unsere Position im Vergleich zum Größeren? Sodann geht es darum, die Reise der Mysterientradition zu beginnen und dieses existenzielle Mysterium zu ergründen. Dies führt in der Folge schrittweise zu immer neuen Stufen der Freiheit, weil alle erläuterten Punkte Schritte auf dem Pfad sind. Daneben gibt es noch viele andere Punkte, an denen der Mensch glaubt, den Zustand der Freiheit schon erreicht zu haben, aber den Zweifel hat, ob dies denn schon alles sein kann. Er fragt sich, ob die Befreiung schon da oder er noch immer an die Illusion gekettet und ein Sklave ist? Freiheit ist also etwas, das immer noch höhere Ebenen erkennen lässt.

Wer wirkliche Freiheit erstrebt, dem bleibt letztlich nur der Weg der Mysterien, der in der Ergründung des Mysteriums „Leben“ besteht, wie der Name schon sagt. Jeder kennt dieses Gefühl, wenn man etwa abends in den Sternenhimmel sieht und dieses Meer von zahllosen Gestirnen erblickt. Diese unendlichen Weiten, welche die Wissenschaft zum Teil schon erforscht hat, mit dem Verhältnis der Erde zum Sonnensystem, dem Sonnensystem zur Milchstraße und der Milchstraße, die wieder im Verhältnis zu etwas noch Größerem steht usw. Allein schon diese unermessliche Tragweite, die uns durch den Anblick des physischen Universums bewusst wird, gebietet uns tiefe Ehrfurcht. Aus der Kabbala ist bekannt, dass es noch feinere Welten gibt. Sich dieser großen Tragweite bewusst zu werden und zu wissen, dass das Leben ein großes Mysterium ist, sowie dieser Frage nachzugehen und zu ergründen, was dieses Mysterium wirklich ist – das ist der Pfad der mystischen Tradition.